Marketing für Architekten. Es lebe die Kunst?!

Marketing für Architekten. Es lebe die Kunst?!

Spreche ich mit Architekten über das Thema Marketing, wird es manchmal etwas schwierig. Häufig höre ich den Satz: „Meine Kunst spricht für sich. Ich brauche kein Marketing.“

Schade, zeigt sich doch, dass auch kleinere Architekten und Architektinnen von einer Marketingstrategie profitieren. Größere Architekturbüros, oder auch Agenturen und Ateliers, die das Thema Architektur, Gestaltung & Marketing vereint haben, zeigen, dass es funktioniert.

Übrigens: Die Diskussion und das Thema sind nicht neu, jedoch hat sich noch nicht zwangsweise viel getan. Butter bei die Fische.

Lassen Sie uns über Marketing sprechen.

1. Die Herausforderung: Marketing für Architekten

Betrachten wir zunächst einmal die Painpoints, die Sie als Architekt vielleicht mit dem Thema Marketing haben:
1. Die Kunst spricht für sich.
2. Marketing? Werbung? Strategie? Sie können damit eigentlich nichts anfangen.
3. Sie glauben, Sie dürften kein Marketing machen.

Schauen wir uns die drei Punkte nun etwas genauer an

2. „Die Kunst spricht für sich.“ 

Verstehen Sie sich als Künstler? Ja? Warum? Weil jedes Ihrer Gebäude Ihre Kreativität in sich trägt, einen Teil Ihrer Persönlichkeit? Ich gebe Ihnen Recht. Der Beruf des Architekten ist ein gestalterisch wertvoller. Der Architekt schafft etwas Neues oder entwickelt Altes weiter. Er gestaltet mit seiner eigenen Handschrift und hofft, dass sich möglichst viele dafür interessieren und ihn beauftragen. Nun lassen Sie mich die Geschichte etwas anders erzählen: Der Architekt schafft Lebensräume. Im Gebäude, in den Straßen. Er macht Städte lebenswert, er kreiert für seine Kunden einen Teil ihres Lebens. Fragt nach und hört zu, zieht einen Teil seines Selbst zurück, um das Optimum für seinen Kunden zu erzielen. Und hier treffen wir auf die Frage: Wie konzentriert auf sich selbst arbeiten Sie, wie kundenorientiert sind Sie?

3. Marketing? Werbung? Strategie?

Wir haben bereits festgestellt, dass Sie um Marketing nicht herumkommen, denn Sie haben bereits eins. Sie machen sich optimalerweise Gedanken um Ihren Kunden, Sie stehen für etwas, Sie haben Produkte bzw. Dienstleistungen, Sie verlangen dafür Geld, Sie akquirieren Kunden. Sie kommunizieren. Willkommen bei den klassischen 4Ps des Marketings.
Und Werbung ist knapp gesagt nur das, was nachher als Anzeige oder Flyer entsteht. Davor sollte jedoch eine Strategie stehen. Wie Sie zu dieser kommen, dazu später mehr.

4. Sie glauben, Sie dürften kein Marketing machen.

In der Tat geistert dieser Mythos immer wieder umher. Leider macht es die regionale Gliederung und unterschiedliche Handhabe nach Bundesländern es nicht gerade einfacher. Sofern Sie keine Kollegen durch den Kakao ziehen und sich an die Regeln Ihrer zuständigen Kammer halten, haben Sie nichts zu befürchten. Was Sie dürfen und was nicht, erfragen Sie am besten immer individuell dort.

Die Lösung: Ihr Marketing.

In der Kürze haben wir bereits festgestellt, dass es viele gute Gründe gibt, sich näher mit dem Thema Marketing zu beschäftigen:

  1. Sie machen bereits Marketing. Zeit, es strategisch anzugehen.
  2. Der Wettbewerb macht es auch. Wollen Sie hinterher schauen, oder vorne dabei sein?
  3. Wenn Sie gefragt werden, wofür Sie stehen, wollen Sie nicht herumschweifen, sondern eine knackige Antwort liefern können.

1. Marketing-Basics

Klassisch spricht man beim Marketing von den 4P. Es gibt auch mehr und verschiedene Ansätze, aber letztlich wird das Rad immer nur wieder rund erfunden. Die 4P heißen so, weil Sie sich im Englischen auf die vier Grundbestandteile des Marketings konzentrieren: Product (Produkt), Price (Preisgestaltung), Placement (Distribution / Vertrieb), Promotion (Kommunikation). Sie haben bereits einiges davon. Lassen wir die Preise weg, denn hier sind Sie letztlich relativ festgelegt. Vielleicht haben Sie noch Spielraum über die Kundensegmente, für die Sie arbeiten. Einfamilienhäuser können Villen, aber auch 80 Quadratmeter-Häuser sein. Die Frage ist: Passen Produkt- und Preisgestaltung zusammen? Hier könnten Sie zum Beispiel im Bereich Ausstattung, Gestaltung des Gebäudes etc. variieren.  Oder sich auf Spezialgebiete oder Spezialthemen fokussieren und somit eine Nische belegen und sich von anderen Wettbewerbern abheben.

2. Marketing: Strategie.

Am Interessantesten wird es beim Marketing für Sie im Bereich Marke und im Bereich Kommunikation und Akquise. Hier jetzt zunächst erst einmal das Thema Marke, denn darauf baut die Strategie auf.

a. Ihre Marke

Die Marke ist Ihr Alleinstellungsmerkmal, der Reason why, die Geschichte, die Sie immer wieder erzählen und der Grund dafür, dass die Kunden sich für Sie entscheiden. Haben Sie dies bereits für sich festgelegt? Wird es kommuniziert? Ist es stimmig? Und scheuen Sie sich nun nicht, zu überlegen, wie Sie als Marke auftreten können. Jeder Mensch ist eine Marke, manche sehr individuell, manche eher austauschbar. 

Fragen Sie sich also:
• Wer oder was bin ich oder mein Unternehmen als Marke?
• Welche Geschichte will ich / wollen wir erzählen?
• Warum soll der Kunde sich für mich / uns entscheiden?

b. Kommunikation & Akquise für Architekten

Stellen Sie sich dazu zunächst folgende Fragen:

  1. Wie erfährt man von Ihnen?
  2. Wie generieren Sie Kunden?

Klassischerweise gewinnen Sie wahrscheinlich viele Kunden über Weiterempfehlung und bestehende Kontakte. Was noch? Gehen Sie weitere Wege als die klassischen Kommunikationskanäle (PR, Homepage) und überlegen Sie sich, wo Sie am besten Ihren potentiellen Kunden erreichen können. In welchem Entscheidungsstadium wollen Sie ihn erreichen? Soll er auf Architektensuche sein, oder wollen Sie ihn inspirieren, so dass er sich zum Bauen entscheidet? Mein Tipp: Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Zeitschriften wie die Schöner Wohnen so gerne gelesen werden oder TV-Sendungen wie z.B. das Perfekte Dinner schon seit ewigen Zeiten im Fernsehen laufen? Sicherlich, weil die Deutschen gerne Kochsendungen schauen und zugleich Meister im Einrichten sind. Jedoch hat das auch viel mit Neugierde zu tun. Denn: In beiden Beispielen werden Geschichten erzählt und Einblicke gewährt. Der Leser / Zuschauer sieht hautnah, wie es beim anderen im Wohnzimmer aussieht. Deshalb funktionieren auch IKEA-Kataloge so, wie sie funktionieren. Wenn Sie dies nun auf sich selbst übertragen: Zeigen Sie, für wen Sie gebaut haben. Wie alles mit Leben gefüllt ist, nicht, wie es bei Bauabnahme aussah. Wenn Ihr Kunde zufrieden ist, wird er Sie sicherlich gerne dabei unterstützen.

3. Marketing: Fazit & Ausblick

Wir haben gesehen, dass Marketing auch für Architekten sinnvoll ist. Marketing gibt Orientierung. Sehen Sie Marketing als eine gute Möglichkeit um zu zeigen, wer Sie sind und um mit Ihrem Kunden in einen angenehmen Dialog zu treten. Denn Ihre Tätigkeit ist ohne Kunden (alternativ: Nutzer, Bewohner, …) nur noch halb so sinnvoll. Unterstützen Sie ihn dabei, mit Ihnen zufrieden zu sein. Dann haben Sie auch die beste Werbung, die Ihnen niemand nehmen kann: Weiterempfehlung. Wenn Sie diese dann noch über eine interessante, sympathische und stringente Geschichte erzählen und aktiv für sich nutzen, sind Sie gut aufgestellt für die Zukunft.

Zusammengefasst: Ihre Marketingstrategie:

• Wie wollen Sie sich am Markt positionieren und vom Wettbewerb abheben?
• Wen und welche Zielgruppe(n) wollen Sie erreichen?
• Welche Geschichte wollen Sie erzählen (Marke)?
• Was bieten Sie an? Welche Preis- und Produkte (im Rahmen der jeweiligen rechtlichen Möglichkeiten)?
• Wie kommunizieren und akquirieren Sie?

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