Du & Sie: Die Anrede und warum ich dich gerne duze.

Du & Sie: Die Anrede und warum ich dich gerne duze.

Es ist eine stetige Herausforderung um die persönliche Anrede und ihre Gepflogenheiten. Denn spätestens nach der Weihnachtsfeier wird klar: Die Fettnäpfchen lauern überall!

Da siezt man am darauffolgenden Tag die Frau Müller. Wie die letzten fünf Jahre halt auch. Bis sie dann sagt: „Entschuldigung, ich bin mir selbst gar nicht mehr so sicher, aber: Haben wir uns bei der Weihnachtsfeier nicht auf das Du geeinigt? Wir kennen uns doch bereits schon so lange und verstehen uns so gut!“  Und schwupps, hinein ins Fettnäpfchen. Natürlich hat Frau Müller recht. Der Trost: Herrn Maier wird es ähnlich gehen und er wird dich siezen, obwohl ihr doch eigentlich, bei der letzten Weihnachtsfeier…. Warum ich ein Fan des Dus bin und was es im Groben mit dem Du und Sie auf sich hat, liest du in diesem Artikel.

Die 3 Funktionen der persönlichen Anrede.

1) Die Anrede als Ausdruck von Respekt & Hierarchie.

Betrachtet man die Kommunikation im Laufe der Zeit, so wird schnell deutlich: Früher war alles etwas formeller. Da wurden die Eltern noch voller Ehrfucht gesiezt. Inzwischen hat sich das zumindest im privaten Umfeld weitgehend geändert. Jedoch: Als Kind siezt man den Erwachsenen, der Erwachsene darf einen duzen. Beispiel: Die Mutter des Kumpels duzt dich, sie wird gesiezt. Als ewige Respektsperson siezt man natürlich auch den Lehrer, während er einen selbst neun Jahre lang duzt. Sobald man 16 wird, startet das neue Schuljahr dann mit einem illustren Spiel: „Liebe Klasse. Ihr seid nun alle 16 Jahre alt und ich muss euch siezen. Es ist etwas seltsam, ich habe euch ja vorher jahrelang geduzt. Wollt ihr das Du beibehalten, oder wechseln wir zum Sie?“ Ähnlicher gelagert ist das Sie im Geschäftsumfeld. Insbesondere in hierarchisch geprägten Strukturen wird das Sie als Inbegriff von Respekt (oben – unten) gewertet. Was mache ich aber, wenn mein Geschäftsführer in der gleichen Sportmannschaft ist? Hättest du prompt eine zuverlässige Antwort parat, die nicht steif oder albern wirkt? Für Neulinge ist der Berufseinstieg mitunter deshalb so spannend, da man im Zwischenmenschlichen so viel falsch machen kann. Den Kollegen geduzt, weil der dritte Kollege das auch macht? Fehler! Aber der ist doch gleich alt? Übrigens: Man beachte bitte auch genau die ungeschriebenen und geschriebenen Regeln für das Anbieten des Dus: Von oben nach unten, von alt zu jung, …

2) Die Anrede als Ausdruck von Nähe & Distanz.

Das Beibehalten des Sies wird mitunter insbesondere dann amüsant, wenn man sich im geschäftlichen Umfeld und innerhalb einer direkten Hierarchiestruktur hervorragend versteht und auch mal etwas trinken geht, sich aber nach wie vor siezt. Insbesondere dann, wenn man jeden Tag miteinander verbringt und auch viel Persönliches vom anderen weiß. Das Argument für diese Tatsache:  Ein Sie behalte die Distanz bei und sei Garant für einen fortwährenden Respekt. Letzteres könnte ja später, wenn man sich vielleicht nicht mehr so gut versteht, ganz dienlich sein. Dass man natürlich auch mit Respekt und einem Sie jemanden ganz charmant beschimpfen kann, beweist Joscka Fischer („Mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch, Herr Präsident!“) recht gekonnt.

3)  Die Anrede als Spiegel der Gesellschaft.

Es ist ein wahrer Zickzack-Kurs, der aktuell in der Kommunikation gefahren wird. Viele Unternehmen sind ja im Herzen total klassisch, wollen aber mit der Zeit gehen. Vor allem bei den Social-Media-Kanälen wird deshalb geduzt. Seien wir ehrlich: Ein Sie in Facebook wirkt einfach wie gewollt, aber nicht gekonnt. Das mag zum einen daran liegen, dass diese Kanäle aus dem angelsächsischen Raum kommen. Die Angelsachsen sind gesegnet, denn sie haben nur eine Anredeform, das You. Fälschlicherweise wird dies gerne mit einem lockeren Umgang gleichsetzt. Letztlich war das You jedoch das damalige Sie, verdrängte mit der Zeit das Du (=thou) und wird nun übergreifend verwendet. Zum Zweiten ist die digitale Welt hipp und zieht viele Menschen an, die keinen Wert auf das Umtänzeln von Fettnäpfchen oder Hierarchien legen. Die Krux: Nutzt man viele verschiedenen Kanäle, online als auch offline, muss man einen möglichst eleganten Mittelweg finden. (Den ich in der Tat um der Gepflogenheiten willen auch ähnlich nutze.)

Du & Sie: Die persönliche Anrede im Englischen

3 Gründe, warum ich das Du super finde.

Ich gestehe, ich habe immer mal wieder Fettnäpfchen mitgenommen. Mit Schwung hinein, mit Schwung und Charme wieder hinaus. Beides schon beinahe in grandioser Perfektion. Das liegt nicht daran, dass ich keinen Wert auf zwischenmenschliche Gepflogenheiten oder gesellschaftliche Umgangsformen lege. Im Gegenteil! Nichtsdestotrotz habe ich mich dafür entschieden, dich hier künftig zu duzen. Nimm’ es gerne persönlich.

1) Ja, ich will Nähe!

Ehrlich. Wir sollten uns wirklich gut verstehen, denn wir werden gemeinsam dein Business, seine Schwachstellen und deine Marketing-Möglichkeiten betrachten. Wenn wir erfolgreich seien wollen, schadet ein wenig Nähe und ein freundschaftliches Arbeiten also überhaupt nicht. Ich freue mich deshalb immer, wenn wir vom Spießrutenlauf – Sie auf ein freundschaftliches Du wechseln und du mir das Vertrauen entgegenbringst, es nicht zu missbrauchen. Dieses Vertrauensverhältnis möchte ich natürlich aufbauen: Auf meiner Seite, im Blog und den Sozialen Medien sowieso fallen mir persönliche Themen leichter, wenn ich dich duze. Übrigens: Kennst du mich eigentlich schon? Falls nein, gebe ich dir hier einen kurzen Überblick über mich als Person.

2) Ja, ich habe tiefsten Respekt vor dir!

Ich unterscheide bei Menschen nicht in Hierarchien. Der Respekt, den diese Person meinerseits erhält, ist immer gleich. Mir ist es egal, ob du ein zehnjähriger Junge, der Geschäftsführer eines großen Konzerns oder der Achtzigjährige Mann von nebenan bist. Das Alter hat für mich nicht mehr Respekt verdient als das Jungsein, denn alt werden wir in der Regel von alleine. Meinen Respekt und meine Wertschätzung mache ich deshalb am Verhalten der anderen Person gegenüber mir und unserer Umwelt fest. Eine künstliche Unterscheidung in Du & Sie benötige ich deshalb nicht.

3) Ja, ich lege wenig Wert auf Hierarchien.

Hierarchien mögen in manchen Firmen noch sinnvoll sein. Ich bin jedoch überzeugt, dass sich der Mensch in unserer Gesellschaft vom klassischen Arbeiter (der obere sagt, der untere macht) hin zu selbstdenkenden und selbstverantwortlichen Wesen entwickelt hat. Neue Organisationsformen in Teams, selbstverantwortliches Arbeiten und ein anderes Vertrauensverhältnis werden daher Hierarchien über kurz oder lang nach und nach ablösen. Und auch im privaten Umfeld fällt mir aktuell kein Beispiel ein, wo ich aufgrund von noch bestehenden Hierarchien jemanden Siezen müsste. Vielleicht der Zahnarzt? Nein, eigentlich auch den nicht.

Ich würde dich gerne duzen. Aber ich kann auch anders.

Du hast es vielleicht bereits herausgelesen: Ich finde das Du klasse! Nichtsdestotrotz brauchst du keine Angst haben, dass ich dich ganz plump von der Seite mit einem Du anrede. Oder, dass ich den Geschäftsführer eures Unternehmens High – Five gebe und ihn zur Begrüßung duze. Ich richte mich nach der Kultur eures Unternehmens. Und wenn auch du persönlich dem Sie den Vorzug gibst, schreib mir das einfach oder schreibe mich mit meinem Nachnamen an. Und wenn du doch mal auf das Du umschwenken willst: Gib’ mir ein Zeichen und habe keine Angst vor Fettnäpfchen. Wie du siehst, bin ich da ziemlich entspannt. Ich freue mich, wenn wir uns in jedem Falle kennenlernen. Egal, ob mit Du oder Sie.

Das aktuelle Zeitgeschehen zum Thema Anrede in den Medien

Die Zeit: Ein Whatsapp-Chat zum Thema Duzen & Siezen

FAZ: Duzen oder Siezen bei der Arbeit

Der Duden: Duzen oder Siezen

 

Und du? Wie ist deine Meinung zu diesem Thema?

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